Zur Person


Systemische Supervisorin und Coach (DGSv, SG)
Lehrsupervisorin
Diplom Theologin
Psychoonkologin (WPO)
Erwachsenenbildnerin (PH)

Weiterbildungen in
Coaching Essentials
Philosophie für Führungskräfte
Gesprächsführung
Kommunikation in Krisen und Konflikten
Systemische Strukturaufstellungen
Wirksame Konfliktklärung in Gruppen
Leitung von Schreibwerkstätten

Qualitätssicherung
Regelmäßige Teilnahme an regionaler und
überregionaler Intervision
Regelmäßige Teilnahme am
QS-Verfahren der DGSv

Angestellt
Seit 2013 Abteilungsleiterin in einer Rehabilitationsklinik

Freiberuflich
seit 2004 Coach Trainerin für Teamentwicklung Supervisorin (DGSv)


Erfahrung

Die Erfahrung der Fremde, der Differenz hat sich mir eingeprägt.
Ich war als Studentin für ein Jahr im Nordosten Brasiliens. Mir ist dabei neben vielem anderen klar geworden wie wichtig es ist, die Sprache und die Kultur von Menschen, mit denen man lebt und arbeitet, zu verstehen. Später konnte ich dann immer wieder beobachten, dass selbst bei größtem Bemühen und hoch entwickelter Sprachfähigkeit nicht selten in den entscheidenden Momenten eine Fremdheit, die längst überwunden schien, sich im Gewand der Befremdung zeigen kann. Dies gilt nicht nur für die Erfahrung in anderen Ländern, dies gilt im Grunde überall dort, wo Menschen miteinander leben und arbeiten.
In meinen eigenen Arbeitswelten konnte ich als Theologin, die sich für einen Berufsweg außerhalb der Kirche entschieden hat, erfahren welche Phantasien und Zuschreibungen Berufsausbildungen hervorrufen können. Das hat mich aufmerksam werden lassen für die vielfältigen Möglichkeiten, Informationen zu verarbeiten, Interpretationen vorzunehmen und häufig unüberprüft daraus Handlungsmuster zu entwickeln. In der Selbst- und Fremdbeobachtung kam ich zu dem Ergebnis, dass diese unüberprüften Annahmen, die sich schnell in vermeintliche Gewissheiten verwandeln können, eine Basis dafür schaffen, dass das Denken und Handeln von Menschen sich verselbständigt, sich abkoppelt von den Handelnden und ihrer Umgebung, sie isoliert. An dieser Stelle begann ich, mich für das Phänomen der Handlungsfähigkeit zu interessieren.
Hannah Arendt hat sich in ihrem Werk „Vita activa oder vom tätigen Leben“ sehr eingehend damit befasst, dass das Handeln Einzelner letztlich nur in Beziehung zu anderen glücken kann und dass das, was durch Handlungen angestoßen wird, letztlich erst überblickbar und somit auch beschreibbar wird, wenn es an sein Ende gekommen ist.
Doch wann ist es letztlich an sein Ende gekommen? Dass jede Beschreibung von Handlungen und ihren beobachteten Wirkungen eigentlich eine so künstlich wie notwendig vorgenommene Zäsur ist, um Erlebtes aussagefähig zu machen, habe ich in meiner Ausbildung zur Supervisorin durch den Systemischen Konstruktivismus gelernt. Der Systemische Konstruktivismus definiert die Beziehung zwischen Beobachterin, Beobachter und beobachtetem Objekt dergestalt, dass es keine von der Beobachterin, dem Beobachter unabhängige Beobachtung geben kann. Es gibt keine Objektivität. Es gibt lediglich Interpretationen von Beobachtungen in Abhängigkeit zur Perspektive derer, die beobachten. Interpretationen steuern das Handeln von Menschen, sie haben einen Sinn und sie tätigen eine Wirkung, sie lassen sich ändern. Diese Interpretation von Wirklichkeitskonstruktion, die es nicht nur erlaubt, sondern als notwendig begreift, dass es statt einer Wahrheit mehrere parallel existierende Wirklichkeiten gibt, öffnet für Beratung genau an den Stellen, an denen durch viele Überzeugungskämpfe Verhärtung und nicht selten auch Verbissenheit und Schweigen entstanden ist, wieder Freiraum. Es ist nicht nur möglich, sondern sogar wahrscheinlich, dass alle Beteiligten insofern Recht haben, als sie einen bestimmten Ausschnitt der relevanten Wirklichkeit wahrnehmen.
Welches Bild ergibt sich, wenn hier ein Raum entstehen kann, in dem alle Beteiligten wieder soviel Vertrauen in sich und die anderen aufbauen können, dass ein Zusammendenken möglich wird? Was geschieht, wenn das Weiterkommen in der Sache wichtiger wird, als wer welchen Beitrag dazu geleistet hat? Was geschieht, wenn sich die Gedankenströme so miteinander verbinden, dass im besten Sinn Eins zum Andern führt, hin und her bewegt wird, durch verschiedene Köpfe fließt, um dann in einem brauchbaren Ergebnis zu münden? Es geschieht etwas Neues. Es geschieht etwas, was Vertrauen in die Kompetenz der Arbeitsgemeinschaft schafft, in der Verschiedenheit nicht durch Konkurrieren sondern durch sinnvolles Kooperieren ausgelebt wird. David Bohm hat diese Art der Kommunikation in seinem Dialogverständnis in Unternehmen gebracht. Dieser Ansatz eignet sich dort besonders, wo Menschen in ihrer Arbeitswelt so mutig sind, in einem hierarchiefreien Denkraum Zeit dafür zu investieren, Veränderungsprozesse und Innovationen nachhaltig auf den Weg zu bringen.
In diesen hier sehr knapp skizzierten Ansätzen sehe ich Potenziale, die Menschen im besten Sinn dazu befähigen können, über sich hinaus zu wachsen ohne bodenlos, ohne abgehoben zu werden. Ganz im Gegenteil, eine Handlungsfähigkeit, die aus den oben skizzierten Haltungen entsteht, fördert Wachsen und Reifen von Menschen. Diese Gedankengänge haben mein Verständnis von Beratung geprägt. Beratung ist für mich die Begegnung zwischen Personen, die an Weiterentwicklung von Handlungsfähigkeit im beruflichen Kontext interessiert sind.
Die professionelle Beratung ist für mich keine Dauersituation, sondern eine zeitlich klar abgegrenzte Begleitung und Unterstützung zur Erreichung von Zielen, die zu Anfang des Prozesses formuliert wurden. Deshalb hat die Beratung für mich einen Schwellencharakter.
Eine Schwellensituation drängt nach Veränderung. Damit sich etwas bewegen kann, damit sich Menschen bewegen können, müssen sie den ersten Schritt tun, heraus aus dem gewohnten Trott. Und auch ich als Beraterin muss mich bewegen, weg von meinen Annahmen, von meinen Gewissheiten hin zu dieser Schwelle, an der sich das Wesentliche erst im Laufe der gemeinsamen Arbeit zeigen wird. Als Beraterin habe ich einen anderen Blick und auch andere Fragen als diejenigen, mit denen ich in der Beratung arbeite. Meine Fragen können bestehende Erklärungsmuster irritieren, Veränderungen initiieren und die dafür notwendigen Handlungsschritte klären. Die Beratung auf der Schwelle arbeitet ganz bewusst mit der Differenz, mit der Fremdheit und mit der Befremdung. Indem die Beratung auf der Schwelle den Respekt gegenüber allen Beteiligten und ihren unterschiedlichen Sichtweisen und Interessen zum Ausdruck bringt, können sich Unterschiede und Gemeinsamkeit in neuen Gedanken zeigen. Bestehende Möglichkeiten und Grenzen, ihre Auswirkungen für die Arbeit und für alle Beteiligten werden sichtbar. Realistische Handlungsräume in der Arbeitswelt entstehen.