Nach meiner Erfahrung wird für Menschen die Frage nach ihrer Handlungsfähigkeit dann besonders relevant, wenn ihr Kontakt

zu ihren persönlichen Kompetenzen
zu ihren fachlichen Aufgaben
zu den Menschen, die daran mitarbeiten

brüchig geworden ist.

Beschreibungen für diesen Zustand können sein:

„Ich komme nicht weiter. Ich weiß nicht mehr, was ich mir (noch) zutrauen kann – meine Karriereplanung* ist ins Stocken geraten.“

„Ich habe den Überblick verloren, kann keine Prioritäten (mehr) setzen und keine Perspektiven entwickeln. Ich fühle mich nur noch gehetzt.“

„Ich habe Konflikte am Arbeitsplatz und fühle mich isoliert.“

„Mein Team ist nur noch mit sich selbst und nicht mehr mit seinen Fachaufgaben befasst.“

„Wir haben einen auffallend hohen Krankenstand.“














*Karriere wird mit „erfolgreiche Laufbahn“ übersetzt. Viele Menschen sehen bei diesem Wort vor ihrem geistigen Auge eine stetig aufstrebende Berufsentwicklung. Für manche mag der Begriff so passen. Für die meisten dürfte er sich heute anders definieren. Karriere fordert die Fähigkeit, mit Brüchen, mit Unterbrechungen, mit Veränderungen persönlicher, beruflicher, geographischer Art so zurecht zu kommen, dass der nächste Schritt, vielleicht auch der nächste Sprung möglich wird. Karriere — die „erfolgreiche Laufbahn“ — ist in jedem Fall eine folgenreiche Laufbahn. Sie ist in der heutigen Zeit immer wieder auch mit vermeintlichen Leerläufen durchsetzt. Nach meinem Verständnis erfordert Karriere die bewusste Auseinandersetzung mit dem beruflichen Weg im Wissen, dass die berufliche Fortentwicklung einer Person nicht von ihr allein steuerbar ist. In dieser komplexen Situation handlungsfähig zu sein,
erfordert ein Wissen um Für die Führungskraft kann es darum gehen, innerhalb einer Institution die bestehende Position zu festigen, eine neue Position anzustreben oder den Wechsel in eine andere Organisation vorzubereiten. Für die Mutter und/oder den Vater, kann es darum gehen, nach der Elternzeit den beruflichen Wiedereinstieg zu planen. Für andere kann es darum gehen, eine berufliche Neuorientierung zu gestalten. Und für manche, ganz egal in welcher Position sie angekommen sind, kann es bei der Karriereplanung darum gehen, ganz bewusst, aus dem Wettrennen (mit sich selbst und/oder mit andern) auszusteigen, zu bilanzieren, was erreicht wurde und die bisherige Laufbahn im größeren Zusammen-
spiel mit der eigenen Lebenslandschaft wahrzunehmen. Setzen die einen also zum größeren Sprung an, geht es den andern eher darum erst einmal wieder Tritt zu fassen, den Dritten, die Laufbahn zu wechseln, manch andern geht es vielleicht darum, eine bewusste Schwerpunktverschiebung zwischen offizieller Arbeitswelt und persönlicher Lebenswelt vorzunehmen.